O.Univ.Prof. Dr.
Werner Pfannhauser
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FFE 484/02/SME 34

 

Dioxine und Vitamin A

Die Kontamination von Lebensmitteln durch Organohalogene, insbesondere durch Dioxin (PCDD und PCDF) und dioxinähnliche PCBs (polychlorierte Biphenyle) hat im letzten Jahrzehnt zunehmend gesundheitliche Bedeutung erlangt. Dioxine entstehen bei natürlichen Verbrennungsprozessen; dagegen sind PCBs synthetische Chemikalien, die in vielen industriellen Produkten verwendet wurden, jedoch mittlerweile aber verboten sind. Mehrere hundert Dioxine und PCBs wurden identifiziert, jedoch sind nur etwa 20-30 toxikologisch bedenklich. Das Dioxin mit höchster toxischer Wirkung ist TCDD (2,3,7,8-Tetrachlorodibenzo-p-Dioxin). Die höchsten Konzentrationen dieser Verbindungen in Lebensmitteln findet man in Fisch und Fischprodukten, gefolgt von Milch- und Fleischprodukten. Einmal in den lebenden Organismus gebracht, werden sie nur langsam abgebaut. Sie neigen dazu, sich in der Leber und im Fettgewebe anzureichern, speziell in Säugetieren und Fischen und letztendlich im Menschen. Humanstudien haben gezeigt, dass Dioxine und dioxinähnliche PCBs in erster Linie die Haut, die Leber und das Nervensystem schädigen, aber auch einen Einfluss auf die Entstehung von Krebs, Störungen des Immunsystems und auf das Wachstum und die Entwicklung des Fötus haben.

Es wurden auch Berichte über den Einfluss auf den Vitamin A-Stoffwechsel veröffentlicht, jedoch ist das Wissen über den Mechanismus der schädigenden Wirkungen unvollständig. Ziel dieses im September 2000 beendeten FAIR-Projektes war es, eine fundierte wissenschaftliche Basis für die Vitamin A (z. B. Retinoid) zerstörenden Einflüsse von Organohalogenrückständen in Lebensmitteln zu schaffen und somit das für den Verbraucher tatsächlich vorhandene toxikologische Risiko zu ermitteln. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden der Retinoid-Signalweg an mutierten Mäusen, die Rolle von Retinoid in der frühen pathophysiologischen und der neuralen Entwicklung; durch Organohalogene verursachte Fettstoffwechselstörungen sowie Bioassays und Biomarker untersucht. Die Ergebnisse waren ziemlich überraschend: Es wurde daraus gefolgert, dass ein wesentlicher Teil der durch Organohalogene verursachten ungünstigen Entwick-lungseffekte durch Störungen bei der Retinoidübertragung vermittelt wird. Die relativ hochkonzentrierten Organohalogene, wie sie im Labor getestet wurden, erzeugten ein "funktionales Hypervitamin A", das die Konzentration in Plasma, Leber und Nieren erhöhte, was zu Entwicklungsanomalien führen kann, die den Symptomen übermäßiger Vitamin-A-Aufnahme ähneln. Weitergehende Forschungen sollen darauf abzielen, die möglichen Auswirkungen von Organohalogenen in geringen Aufnahme-dosen zu untersuchen.

Projektnummer: FAIR-CT97-3220

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